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Testing Limits – Pushing Frontiers

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ALT-Wappen der NASA

Eye in the Sky — Das Hubble Space Telescope

Space-Shuttle-Wappen der NASA

Fast 10 Jahre dauerte die Entwicklung und der Bau des mittlerweile berühmtesten Teleskops der Welt und seit über 25 Jahren ist es fast ununterbrochen in Betrieb. Es hat mit seinen teils atemberaubenden Beobachtungen den wissenschaftlichen Horizont in der Astronomie erweitert wie kein anderes vor ihm. Es ist das größte Teleskop, das bis dahin ins All gestartet wurde. Nach vielen technologischen Herausforderungen und Schwierigkeiten beim Bau und Betrieb leistet es bis heute einen unverzichtbaren Beitrag zur Erforschung des Universums. Während seiner Betriebszeit wurde es mehrfach von Space Shuttles angeflogen und ständig modernisiert. Obwohl es noch lange nicht zum "alten Eisen" gehört, ist seine Zukunft wegen der Umbrüche in der amerikanischen bemannten Raumfahrt zur Zeit unsicher.

Das HST in seinem Element - mit Blick in die Ferne
Seit 1990 das "Auge im All" und noch immer auf
der Höhe der Zeit: Das Hubble Space Telescope

 

Im ersten Teil dieses Dossiers wird die Geschichte und die Technik des Hubble Space Telescope ausführlich vorgestellt, im zweiten Teil sind Reports über den Start des HST und die fünf nachfolgenden Servicemissionen aufgeführt.
Zu einer Kurzbiografie über den Namensgeber Edwin P. Hubble bitte hier klicken.

 



Die Vorgeschichte — 40 Jahre von der Idee zum Konzept
Lange bevor die Menschheit die technologischen Voraussetzungen geschaffen hatte, den Weltraum zu erreichen, träumten Astronomen davon, ein Teleskop jenseits der Erdatmosphäre in einer Umlaufbahn zu positionieren. Schon 1923 beschrieb der deutsche Raumfahrtpionier Hermann Oberth die Vorteile eines erdumkreisenden Observatoriums gegenüber den erdgebundenen.

Mit Beginn in den späten 40er Jahren des letzten Jahrhunderts ließen an Ballonen und Raketen installierte Instrumente bereits die Fülle von Entdeckungen erahnen, die Weltraum-Teleskope ermöglichen würden. Bereits zu dieser Zeit, auch unter dem Eindruck der deutschen Raketentechnologie im Zweiten Weltkrieg, entwickelte Dr. Lyman Spitzer, Astronom der Princeton Universität, ein Konzept für ein erdumkreisendes Teleskop. Die erste offizielle Erwähnung eines Weltraum-Teleskops erfolgte 1962, als eine Studiengruppe der National Academy of Sciences der USA die Entwicklung eines solchen Instrumentes als logische Weiterentwicklung des US-Raumfahrtprogramms vorschlug.

Die 60er und 70er Jahre — Das Projekt nimmt Konturen an
Das wichtigste des HST auf einen Blick
Schematische Zeichnung des Hubble Space
Telescope und der wichtigsten Baugruppen
Diese Empfehlung wurde 1965 von anderen Studiengruppen wiederholt, sodass kurz danach die National Academy of Sciences ein Entwicklungs-Komitee einsetzte. Unter der Leitung von Spitzer hatte diese Arbeitsgruppe die Aufgabe, die wissenschaftlichen und technischen Anforderungen eines Weltraum-Teleskops mit drei Metern Spiegeldurchmesser auszuloten. Die ersten erfolgreichen NASA-Satelliten zur Beobachtung von astronomischen Objekten starteten 1968 (OAO 2, Orbiting Astronomical Observatory) und 1972 (OAO 3, später in "Copernicus" umbenannt). Nach anfänglichem Zögern wuchs die Unterstützung eines Groß-Teleskops in Politik und Wissenschaft in den USA. Die Entscheidung zur Entwicklung des Shuttle Transportation System 1972 machte den Einsatz, Betrieb, Unterhalt und die spätere Wartung des Teleskopes in der Erdumlaufbahn möglich. Das Marshall Space Flight Center in Huntsville, Alabama, wurde mit der Führung dieses aufwändigen und ehrgeizigen Projektes beauftragt. 1973 stellte die NASA ein Expertenteam zusammen, dass das grundlegende Design des Teleskops und seiner Instrumente entwickeln sollte. 1977 wurde diese Gruppe von Wissenschaftlern auf 60 Mitglieder aus 38 Institutionen vergrößert. Im gleichen Jahr wurde das Projekt, aus dem später das "Hubble Space Telescope" (HST) hervorgehen sollte, vorgelegt. Die Kosten wurden mit 450 Millionen Dollar veranschlagt. Der Start des Teleskops war für 1983 geplant. 1978 gab der amerikanische Kongreß die ersten Gelder zur Entwicklung und zum Bau frei. Gleichzeitig wurde die NASA aufgefordert, sich einen Partner zu suchen, um die Kosten zu verteilen.

Das "Hubble"-Projekt wird international — Europa steigt mit ein
Das HST vor dem Zusammenbau
Baugruppen des HST im Reinraum
des Goddard Space Flight Center
Noch im ihrem Gründungsjahr 1975 entschloß sich die europäische Raumfahrtagentur ESA, sich an diesem wegweisenden Projekt zu beteiligen. 1977 war die ESA, die noch mitten in der Entwicklung der ARIANE-Trägerrakete steckte, bereit, 15% an dem Projekt zu übernehmen. Der europäische Anteil umfaßte die Entwicklung und den Bau der Solarzellen-Ausleger und eines wissenschaftlichen Instruments sowie die personelle Unterstützung während des Betriebs. Als Gegenleistung wurden der ESA 15% der Beobachtungszeit zugesagt. Auf Seite der NASA wurde das Marshall Space Flight Center in Huntsville, Alabama, mit dem Design und dem Bau des Weltraum-Teleskops beauftragt. Dazu wählte es zwei industrielle Hauptlieferanten: Die Perkin-Elmer Corporation in Danbury, Connecticut, sollte das optische System und die Feinsteuerungsensoren bauen und die Lockheed Missiles and Space Company in Sunnyvale, Kalifornien, war für die äußere Schutzhülle und das Versorgungsmodul SSM (Support Systems Module) sowie für die Endfertigung und Integration aller Systeme zuständig. Das Goddard Space Flight Center in Greenbelt, Maryland, war verantwortlich für die Entwicklung und den Bau der fünf übrigen wissenschaftlichen Instrumente. Diese Instrumente wurden von der Perkin-Elmer Corporation, der Martin Marietta Corporation, von Ball Aerospace, der Universität von Wisconsin und dem Jet Propulsion Laboratory der NASA hergestellt. Üblicherweise ist das Goddard Space Flight Center allein zuständig für die Kontrolle von unbemannten NASA-Satelliten in der Erdumlaufbahn. Weil aber das Hubble Space Telescope so komplex ist, war der Bau von zwei zusätzlichen Einrichtungen notwendig geworden. Das Space Telescope Science Institute (STScI), bereits 1983 auf dem Gelände der Johns Hopkins Universität in Baltimore, Maryland, eröffnet, ist zuständig für Planung und Koordinierung der Beobachtungszeiten sowie der Auswahl der Wissenschaftler und deren Untersuchungsobjekte. Zudem archiviert und veröffentlicht es die Forschungsergebnisse. Das STScI wird von der Association of Universities for Research in Astronomy (AURA) betrieben und von Goddard geleitet.
Das Space Telescope Operations Control Center (STOCC), 1985 gegründet und auf dem Gelände des Goddard Space Flight Center angesiedelt, fungiert als Bodenkontrollstation des HST. Es steht über die TDRS-Satelliten (s.u.) der NASA direkt mit dem Teleskop in Verbindung. Es sendet die Kommandos und empfängt die betriebstechnischen und wissenschaftlichen Daten, bevor diese in aufbereiteter Form an das STScI zur Auswertung weitergeleitet werden. Das STOCC steht ebenfalls unter der Leitung von Goddard.

Ein Teleskop der Superlative — Die Technik des HST von 1990
Das Hubble Space Telescope ist 13,1 Meter lang, 4,3 Meter im Durchmesser und 11,6 Tonnen schwer. Damit besitzt es ungefähr die Dimensionen eines Omnibusses und füllt die Ladebucht des Space Shuttle fast vollständig aus. Das Hubble-Teleskop besteht aus drei Hauptgruppen: der optischen Teleskopbaugruppe OTA (Optical Telescope Assembly), den wissenschaftlichen Instrumenten und einem Versorgungsmodul SSM (Support Systems Module). Daneben könnten noch die beiden Solarzellen-Ausleger als eigenständige vierte Baugruppe bezeichnet werden. Es sind mehr als 3.000 Sensoren eingebaut, die kontinuierlich den Zustand des HST ablesen und in Echtzeit auf die Erde übermittlen.

Die optische Teleskopbaugruppe — Bis dahin unerreichte Präzision
Das OTA in einem frühen Stadium des Zusammenbaus
Die Tragstruktur des OTA, links der
Sekundärspiegel
Herzstück des Teleskops ist das optische System zusammen mit den wissenschaftlichen Instrumenten. In der Erdumlaufbahn kann das HST Messungen in allen Wellenlängen von infrarotem über sichtbarem bis hin zu ultraviolettem Licht durchführen. Bauartlich handelt es sich um ein Spiegelteleskop vom Typ "Cassegrain". Es besteht aus einem Primärspiegel mit 2,4 Metern Durchmesser und einem Sekundärspiegel mit 0,3 m Durchmesser. Der Primärspiegel ist ein konkaver Hyperboloid, Radius 11,04 m, effektive Brennweite 5,52 m mit einer Apertur von 2,4 m, Blendenöffnung 2,3. Der Sekundärspiegel ist ein konvexer Hyperboloid, Radius 1,358 m, Vergrößerung 10,43, Apertur 0,31 m, Blendenöffnung 2,23). Er ist aus dem Material ZERODUR™ gefertigt. Die Kombination aus einem konvexen und einem konkaven Hyperboloid wird als "Ritchey-Chrétien aplanische Cassegrain-Optik" bezeichnet. Durch die Wahl dieser Variante ist es möglich, das OTA mit 57,6 m Brennweite in einer Konstruktion von nur 6,4 m Länge unterzubringen.
Der Primärspiegel besteht aus fünf Bauteilen und wiegt insgesamt 800 kg. Die drei Glaskörper sind aus ULE™ (Ultra Low Expansion) Glas gefertigt. Die Politur dauerte 8 Monate. Die Reflexionsschicht besteht aus einer 0,065 Mikrometer dicken Schicht aufgedampften Aluminiums, die zum Schutz vor Korrosion und Steigerung des Reflexionsvermögens noch mit einer 0,025 Mikrometer dicken Schicht Magnesiumfluorid versehen wurde. Über 24 Einstelleinheiten und sechs Motoren wird der Primärspiegel ständig justiert, zusätzlich sorgen 700 Heizelemente für eine gleichbleibende Temperatur mit einer Abweichung von weniger als einem Grad.

Der Primärspiegel-Rohling wird in Form gebracht
Der Primärspiegel während des
Schleifens bei Perkin-Elmer
Der endgefertigte Primäspiegel im Reinraum
Der Primärspiegel vor der Montage in
das Optical Telescope Assembly (OTA)

Das Lichtsammelvermögen des Primärspiegels ist so groß, das es ein Glühwürmchen über eine Distanz von 16.000 km abbilden könnte. Die Vergrößerung ist so stark, daß eine 1-Cent-Münze noch aus 20 km zu erkennen wäre. Die Oberfläche des Primärspiegels ist dabei von einer nahezu perfekten Glätte: Würde sein Durchmesser auf die Größe des Golfs von Mexico vergrößert, wären die Unebenheiten seiner Oberfläche nicht höher als 6 mm! (Zum Vergleich: ein "normales" Brillenglas in dieser Größe hätte Abweichungen von über 15 Metern Höhe!). Mit diesem Leistungsvermögen wird das HST in die Lage versetzt, Milliarden von Jahren in die Vergangenheit zu blicken und die Anfänge des Universums zu beobachten. Die "Reichweite" des Hubble Space Telescope wäre somit ungefähr 10 Mal größer als die jedes erdgebundenen Teleskops seiner Zeit.

Funktionsweise des Teleskops — Präzisionsbillard mit Photonen
Das Licht eines Objektes tritt in die Öffnung des Teleskops ein, läuft den Tubus am kleineren Sekundärspiegel entlang vorbei und trifft auf den verkleinernden Primärspiegel. Das auftreffende Licht wird auf den vergrößernden Sekundärspiegel zurückgeworfen, der zentral im Tubus 4,6 m vor dem Primärspiegel angebracht ist. Der von hier reflektierte Lichtstrahl wird weiter verengt und durch ein 0,6 m großes Mittelloch durch den Primärspiegel hindurchgeführt. 1,5 m hinter der Vorderseite des Primärspiegels trifft das Licht auf die Brennebene des Teleskops. Auf ihr wird aus dem gesammelten Licht ein scharfes Abbild des beobachteten Objekts. Teile des Lichtstrahls werden nun aufgespalten und den einzelnen Instrumenten zu Messungen zugeführt. Um die äußerst empfindlichen optischen Systeme und wissenschaftlichen Instrumente vor zuviel Licht zu schützen, darf das HST nicht näher als 50° an die Sonne, 15° an den Vollmond und 5° an die beschienene Erde ausgerichtet werden.

Die erste Instrumentierung — State of the Art der 70er/80er Jahre
In seiner ersten Ausstattung war das Hubble Space Telescope mit fünf wissenschaftlichen Hauptinstrumenten ausgestattet. Dazu gehörten:
Die Weitfeld/Planetenkamera (WF/PC) arbeitete in zwei Brennweitenbereichen. Der Weitwinkelbereich diente der Abbildung eines weiten Himmelsausschnitts, mit dem große Bereiche des Kosmos untersucht und Abstände ferner Objekte wie Galaxien und Quasare vermessen wurden. Im "planetarischen" Einstellungsbereich wurde dieses Instrument zu Gewinnung hochaufgelöster Bilder von den Planetenoberflächen unseres Sonnensystems (außer Merkur) eingesetzt.
Der Schwachobjekt-Spektrograf (FOS) lieferte im Bereich sichtbaren und ultravioletten Lichts Spektren von extrem schwachen astronomischen Objekten. Diese Spektren gaben unter anderem Hinweise auf die Temperatur, Dichte und chemische Zusammensetzung der Strahlenquelle.
Der Hochauflösungs-Spektrograf (GHRS) des Goddard Space Flight Center hatte die gleiche Funktion wie der FOS, arbeitete aber weitaus genauer, da er mehr Licht messen und in kleinere Abschnitte zerlegen konnte. Die hochaufgelösten Spektralanalysen erstreckten sich ausschließlich im von der Erde unsichtbaren ultravioletten Bereich des Lichtspektrums.
Das Hochgeschwindigkeits-Fotometer (HSP) diente zur Untersuchung der Gesamthelligkeit oder von Intensitätsschwankungen innerhalb bestimmter Spektralbereiche eines Objektes. Schwankungen der Helligkeit konnten innerhalb von Millisekunden und in einem weiten Spektralbereich, einschließlich im ultra-violetten Licht, gemessen werden.
Die Schwachobjekt-Kamera (FOC) war Europas Beitrag zur wissenschaftlichen Instrumentierung des HST und wurde von den Firmen Dornier System und MATRA gebaut. Das 320 kg schwere Kamerasystem sammelte und fokussierte eintreffendes Sternenlicht auf ein extrem empfindlichen elektronischen Bildverstärker, dessen Output von einer elektronischen Kamera abgetastet wurde. Als einziges Instrument an Bord nutzte die FOC das Auflösungsvermögen des Teleskops voll aus. Es ermöglichte die Beobachtung von extrem lichtschwachen Objekten bis zur 30. Größenklasse (zum Vergleich: mit bloßem Auge sind nur Objekte bis zur 6. Größenklasse scheinbarer Helligkeit sichtbar; mit jeder Größenklasse nimmt die scheinbare Helligkeit um das 2,5-fache ab).

Die Visiereinrichtung des HST — Kimme und Korn haben ausgedient
Die Orientierung/Ausrichtung des Teleskops im All erfolgt durch das Lageregelungssystem, bestehend aus sechs Schwungrädern, die paarweise eingebaut sind und drei Feinsteuerungssensoren. Bei letzteren handelt es sich um Interferometer, die mit einem komplexen System aus Spiegeln und Lichtdetektoren die Ausrichtung der Teleskop-Längsachse (optische Achse) überwachen und die Relativbewegungen des Satelliten im Vergleich zu den Bezugssternen messen. Mit der bis dahin unerreichten Präzision von 0,002 Bogensekunden kann das Teleskop damit für mehrere Stunden auf ein Objekt ausgerichtet werden. Diese Genauigkeit würde ausreichen, einen Laserstrahl über 560 km auf eine kleine Münze ausgerichtet zu halten. Oder ein menschliches Haar auf die Entfernung von 8 km zu spalten.

Die Stromversorgung — Das eigene Kraftwerk
Die für alle Funktionen notwendige Energie bezog das Hubble-Space-Telescope anfangs aus zwei 3 mal 12,5 m großen Solarzellenflächen, die mit insgesamt 48.760 Hochleistungssolarzellen bestückt waren. Sie lieferten bis zu 40 kW elektrische Energie mit einer Betriebsspannung von 34 V. Neben der Schwachobjekt-Kamera (FOC) stellen diese Solarzellenausleger den europäischen Anteil am Bau des Weltraumteleskops dar. Die Solargeneratoren wurden von der deutschen AEG entwicklelt und geliefert.

Die Telekommunikation — Nach Hause telefonieren
Für den Empfang und das Senden von Daten ist das HST mit zwei Hochleistungs-Parabolantennen ausgerüstet. Die Übertragung der Datenströme zwischen dem Satelliten und der Bodenstation STOCC erfolgt mit Hilfe des internen Kommunikationssystems der NASA. Weil sich das HST nicht auf einer geostationären Umlaufbahn sondern auf einer weitaus niedrigeren Umlaufbahn mit einer Umlaufperiode von 97-93 Minuten befindet (je nach Höhe), muß die permanente Verbindung über drei geostationäre NASA-Kommunikationssatelliten (Tracking Data Relay System, TDRS) gewährleistet werden, die jeweils im Abstand von ungefähr 120° über dem Äquator positioniert sind.

Nach fast 10 Jahren Konstruktion und Bau — Startverschiebung um vier Jahre
Das Weltraumteleskop ist startbereit
Das Hubble Space Telescope im
Reinraum des KSC
Guss und Abkühlung des Hauptspiegel-Rohlings dauerten fast ein Jahr und war 1981 abgeschlossen. 1983 wurden die wissenschaftlichen Instrumente zu Tests an das Goddard Space Flight Center geliefert. Die optische Teleskopbaugruppe OTA (Optical Telescope Assembly), bestehend aus Haupt- und Sekundärspiegel, Trägerstruktur und Feinsteuerungssensoren, wurde 1984 in den Satelliten integriert. 1985 war der komplizierte Zusammenbau und die Integration aller Systeme beim Hauptauftragnehmer, der Lockheed Missiles and Space Company in Sunnyvale, Kalifornien, abgeschlossen. Die Kosten für die Entwicklung und Fertigung hatten sich schon 1986 mehr als verdreifacht und betrugen 1,6 Milliarden Dollar.

Der Start des Hubble Space Telescope war ursprünglich mit der Mission STS-61J für August 1986 geplant (32ter Start eines Space Shuttle). Dafür vorgesehen war das Space Shuttle "Atlantis"mit dem Veteranen John Young als Kommandanten. Er wäre damit der erste Mensch gewesen, der sieben Mal in den Weltraum geflogen wäre. Doch die Explosion des Space Shuttle "Challenger" am 28. Januar 1986 führte zu einer 32 Monate andauernden Unterbrechung der bemannten amerikanischen Raumfahrt. Erst mit der Mission STS-26 des Space Shuttle "Discovery" am 29. September 1988 nahm die NASA mit ihren Orbitern den Flugbetrieb wieder auf. Im Oktober 1989 wurde das bis dahin "eingemottete" Hubble Space Telescope von einem C-5A "Galaxy"-Transportflugzeug der U.S. Air Force von Kalifornien zum Kennedy Space Center in Florida überführt.


 

 

Hubble im Weltall – Der Start und fünf Service-Missionen

Der Start ins All — Das HST erreicht endlich den Orbit
Crewemblem STS-31R
Crewemblem STS-31R
Am 24. April 1990 war es dann endlich soweit: Das Space Shuttle "Discovery" startete zur Mission STS-31R mit fünf Astronauten und dem Hubble Space Telescope an Bord. Es war der 35. Shuttle-Flug insgesamt und der 10. Einsatz der "Discovery". Während der Mission bestand die Hauptaufgabe der Crew darin, das HST sicher in einer Umlaufbahn 611 Kilometer über der Erdoberfläche auszusetzen. Es war die erste Mission eines Space Shuttle so nah an der maximalen Einsatzhöhe. Nach dem Aussetzen begleitete die "Discovery" das Teleskop für zwei Tage in einer Entfernung von 60 Kilometern, um es notfalls wieder einzufangen und zur Erde zurückzubringen. Die Überprüfung der Systeme an Bord des Teleskops verliefen positiv und die Crew kehrte nach 5 Tagen, 1 Stunde und 16 Minuten aus dem All zurück. Die Landung erfolgte auf der Runway 22 der Edwards Air Force Base in Kalifornien. Am 7. Mai 1990 traf die "Discovery" huckepack auf dem Shuttle Carrier Aircraft im Kennedy Space Center ein.
Zum Missions-Report STS-31R des Kennedy Space Center

Die "Discovery" direkt nach dem Abheben
Start der Mission STS-31R mit dem
Hubble Space Telescope an Bord
Das HST vor dem Aussetzen im All
Das Hubble Space Telescope in der
Ladebucht der "Discovery"

"First Light" — Probleme zum Beginn einer neuen Ära in der Astronomie
Von Beginn des ehrgeizigen Projekts an waren die Erwartungen der Astronomen an ihr neues und einzigartiges Instrument sehr hoch, sollte das Hubble Space Telescope doch vorher nie dagewesene astronomische Beobachtungen und Entdeckungen ermöglichen.
Am 20. Mai kam für alle beteiligten Institutionen und Wissenschaftler die Stunde der Wahrheit: Für das "Erste Licht" richtete sich das HST auf den Sternenhaufen NGC 3532 aus, 1300 Lichtjahre von der Sonne entfernt. Das empfangene Bild war jedoch unscharf. Ein solches Ergebnis war erwartet worden, hatte man doch zu Beginn damit gerechnet, verschiedene Justierungen durchführen zu müssen. Aber auch bei anderen Objekten war die Bildqualität unbefriedigend. Nach aufwändigen Untersuchungen kam die NASA zu dem Schluß, daß das Herzstück des Teleskops, der Primärspiegel, in eine falsche Form geschliffen worden sein mußte.
Zur Kontrolle der exakten Form des Spiegels benutzte die Herstellerfirma, Perkin-Elmer Corporation, ein eigens dafür gebautes optisches Gerät. Dieser Autokollimator (ein sogenannter Nullkorrektor), mit dem die computergesteuerten Schleifmaschinen kalibriert wurden, wies unbemerkt eine Abweichung auf, hervorgerufen durch eine winzige Unregelmäßigkeit. Diese fehlerhafte "Eichung" des Prüfgerätes bedingte, dass die Oberfläche des Primärspiegels an seinen Rändern um 0,002 Millimeter zu flach geschliffen wurde. Die Folge war eine "sphärische Aberration", so dass sich nur knapp 20% statt der berechneten 70% des Lichtes im Brennpunkt konzentrierten.
Damit war klar: das Milliarden Dollar teure Hubble Space Telescope hatte einen "Sehfehler"!

Das HST sah nur unscharf — und sollte eine "Sehhilfe" bekommen
Schematische Zeichnung der COSTAR-Korrekturoptik
Die COSTAR-Korrekturoptik
Auf drei der fünf Instrumente hatte dieser Makel keinen Einfluß auf die Leistungsfähigkeit. Betroffen waren die Kameras, die ihre Beobachtungen überwiegend im sichtbaren Licht durchführten. Durch diese ernste "Schlappe" geriet die NASA erneut unter starken Druck der Öffentlichkeit. Nach gründlichen Überlegungen in der amerikanischen Luft- und Raumfahrtbehörde zeichnete sich als Lösung des Problems die Anfertigung einer speziellen "Sehhilfe" durch weitere optische Elemente für das Teleskop ab. Eine nachträgliche Korrektur war möglich, weil der Fehler des Autokollimators bei einer genauen Untersuchung rekonstruiert werden konnte und der Spiegel sehr genau in diese falsche Form gebracht worden war. Das HST war bewußt weitgehend modular/standardisiert aufgebaut und von Anfang an für regelmäßige Service- und Reparaturmissionen ausgelegt. Damit war die Möglichkeit gegeben, dass mit der Zeit defekte oder veraltete Geräte/Instrumente gegen neuere und leistungsfähigere ausgetauscht werden konnten.

Detailfoto von COSTAR-Korrektur-Spiegeln
Spiegel-Schwenkarme der COSTAR-
Korrekturoptik im Detail
Die Lösung des Problems war eine etwa telefonzellengroße Box mit der Bezeichnung Corrective Optics Space Telescope Axial Replacement, kurz COSTAR genannt. Dieses Gerät enthält mehrere kleine Spiegel, die so geschliffen wurden, daß sie den minimalen geometrischen Fehler des Primärspiegels exakt ausgleichen konnten. Diese Spiegel sind zu fünf Paaren auf kurzen Schwenkarmen angebracht und können in den Strahlengang der drei axial plazierten Instrumente Schwachobjekt-Kamera, Schwachobjekt-Spektrograf und Hochauflösungs-Spektrograf eingebracht werden. Gebaut wurde die COSTAR-Korrekturoptik von Ball Aerospace in Boulder, Colorado, für 50 Millionen US-Dollar. Entwicklung und Bau mußten nach NASA-Vorgaben innerhalb von nur 26 Monaten abgeschlossen sein.
Weil sich das Hochgeschwindigkeits-Fotometer (HSP) während seiner Betriebszeit als am wenigsten effektiv herausgestellt hatte, sollte es gegen die COSTAR-Korrekturoptik ausgetauscht werden. Der Austausch sollte bei der ersten planmäßigen Servicemission vorgenommen werden.

Mission STS-61 SM1 — Die erste Servicemission zum Hubble Space Telescope
Crewemblem STS-61
Crewemblem STS-61
Am 2. Dezember 1993 startete das Space Shuttle "Endeavour" zum 59. Flug des Programms. Es war der fünfte Einsatz der jüngsten Space Shuttle. Mit an Bord befanden sich diesmal sieben Astronauten und eine große Anzahl an Ersatzteilen für das Teleskop, darunter auch die COSTAR-Korrekturoptik. Nach der Mondlandung mit Apollo 11 in Jahre 1969 sollte es die schwierigste und komplexeste Mission der bemannten amerikanischen Raumfahrt werden. Die NASA stand unter extremen Erfolgsdruck, zeitweilig wurde in der Öffentlichkeit die Zukunft des Space Shuttle-Programms vom Erfolg dieser Mission abhängig gemacht.
Während des ersten Außenbordeinsatzes tauschten die Astronauten drei verschlissene Schwungräder des Lageregelungssystems aus und setzten neue, stärkere Sicherungen ein. Beim zweiten Außenbordeinsatz wurden die alten Solargeneratoren ebenfalls gegen neue und leistungsfähigere ersetzt. Im Zuge des dritten Außenbordeinsatzes wurde die alte Weitfeld/Planetenkamera (WF/PC) gegen eine neue (WF/PC2) ausgetauscht und an der Teleskop-Öffnung zwei neue Magnetometer angebracht.

Die COSTAR-Box in der Ladebucht
Die COSTAR-Korrekturoptik vor dem
Einbau in das Hubble Space Telescope
Während des vierten Außenbordeinsatzes wurde das Hochgeschwindigkeits-Fotometer (HSP) gegen die COSTAR-Korrekturoptik ausgetauscht und dem HST die "Brille aufgesetzt". Beim fünften und letzten Außenbordeinsatz behoben die Astronauten Probleme mit den neuen Solargeneratoren und führten Reparaturen am Hochauflösungs-Spektrograf (GHRS) des Goddard Space Flight Center durch. Nach Abschluss der Außenbordaktivitäten, die insgesamt 35 Stunden und 28 Minuten dauerten, hob das Space Shuttle mit seinen Triebwerken die Umlaufbahn um mehrere dutzend auf rund 580 Kilometer Höhe an. Nach dem Wiederaussetzen des Hubble Space Telescope landete die "Endeavour" am 13. Dezember 1993 nach 10 Tagen, 19 Stunden und 37 Minuten im Kennedy Space Center.
Zum Missions-Report STS-61 des Kennedy Space Center

Gegenüberstellung der optischen Leistungsfähigkeit
Links: Sternenfoto ohne COSTAR, rechts
gleicher Stern mit COSTAR abgelichtet
Bereits am 17. Dezember 1993 überprüfte eine Gruppe von Wissenschaftlern des STScI, ob der "Eingriff" erfolgreich war. Erste astronomische Aufnahmen bestätigten, dass die COSTAR-Korrekturoptik wie erwartet funktionierte. Damit hatte das Hubble Space Telescope auch im Bereich des sichtbaren Lichtes seine vollständige Leistungsfähigkeit erreicht.
Neben den vielen Aufnahmen von Planeten, interplanetarischer Nebeln und Galaxien war die Beobachtung der 21 Bruchstücke des Kometen Shoemaker-Levi 9 ein Höhepunkt, als diese am 16. Juli 1994 auf den Jupiter stürzten.

Mission STS-82 SM2 — Die zweite Servicemission zum HST
Crewemblem STS-82
Crewemblem STS-82
Am 11. Februar 1997 startete das Space Shuttle "Discovery" zu seinem 22. Flug und zum 82. Flug des Programms. Ziel der Mission und der siebenköpfigen Crew war erneut das Hubble Space Telescope. Am dritten Missionstag wurde das HST mit dem Greifarm des Space Shuttle eingefangen und in den Haltevorrichtungen in der Ladebucht verankert. Am vierten Missionstag begann der erste Außenbordeinsatz der Astronauten. Sowohl der Schwachobjekt-Spektrograf (FOS) als auch der Hochauflösungs-Spektrograf (GHRS) wurden ausgebaut und durch den Raumteleskop-Bildspektrograf (STIS) und das Gerät Nah-Infrarotkamera/Multiobjekt-Spektrometer (NICMOS) ausgetauscht. Während des zweiten Außenbordeinsatzes wurde ein defekter Feinsteuerungssensor ersetzt und eine verbesserte Elektronik des Lageregelungssystems eingebaut. Zudem wurde ein defekter Datenrekorder zur Aufzeichnung von technischen und wissenschaftlichen Meßwerten repariert. Beim dritten Einsatz am HST tauschten die Astronauten ein Bandaufzeichnungsgerät gegen einen digitalen Datenrekorder und eine Datenschnittstelle aus. Während des vierten Außenbordeinsatzes wurde die Motorelektronik der Solargeneratoren erneuert, Schutzverkleidungen an den Magnetometern ausgetauscht und Löcher in der Isolationsschicht der Teleskop-Außenhaut repariert. Entgegen ursprünglicher Planung erfolgte ein fünfter Außenbordeinsatz, damit weitere Schäden an der Isolationsschicht beseitigt werden konnten. Während das Teleskop in der Ladebucht des Space Shuttle verankert war, zündeten mehrmals die Manövriertriebwerke der "Discovery", um die Umlaufbahn wieder um mehrere dutzend Kilometer anzuheben. Nach Abschluß der Reparaturarbeiten wurde das HST am 19. Februar wieder ausgesetzt. Damit waren die Aufgaben dieser Mission erfüllt und die "Discovery" kehrte am 21. Februar aus dem All zurück. Die Landung erfolgte auf der Landebahn 33 des Kennedy Space Center 9 Tage, 23 Stunden und 37 Minuten nach dem Start. Während der fünf Außenbordeinsätze verbrachten die Astronauten insgesamt 33 Stunden und 11 Minuten im Weltraum.
Zum Missions-Report STS-82 des Kennedy Space Center

Mission STS-103 SM3A — Die dritte Servicemission zum HST
Crewemblem STS-103
Crewemblem STS-103
Am 19. Dezember 1999 startete erneut das Space Shuttle "Discovery", um dem Weltraumteleskop wieder einen Besuch abzustatten. Es war der 96. Flug des Programms, der 27. Einsatz des "Arbeitspferdes" der NASA und das dritte Mal in der Geschichte der US-Raumfahrt (nach Apollo 8, 1968 und Skylab 4, 1973/74), dass sich Astronauten über Weihnachten im Weltraum befanden. Mit an Bord befanden sich auch diesmal sieben Astronauten.
Das Rendezvous mit dem Hubble Space Telescope erfolgte am 21. Dezember. Ende November war das HST in einen Sicherheitsmodus gegangen, weil das vierte von sechs Schwungrädern zur Lageregelung versagte. Nach dem Einfangen und der sicheren Verankerung in den Haltevorrichtungen konnte am 22. Dezember mit dem ersten Außenbordeinsatz begonnen werden. Hauptaufgabe der Astronauten war, alle sechs Schwungräder gegen neue auszutauschen. Anschließend wurden eventuell vorhandene gasförmige Reste des Kühlmittels (Stickstoffeis) des NICMOS-Instrumentes abgelassen und Schutzgeräte eingebaut, die die betagten Akkus beim Laden vor Überhitzung schützen sollten. Während des zweiten Außenbordeinsatzes wurde der aus den 70er Jahren stammende Bordcomputer gegen einen 486er-Rechner ausgetauscht. Als zweites wurde ein Feinsteuerungssensor durch ein Gerät ersetzt, das 1997 während der Mission STS-82 ausgebaut und zwischenzeitlich repariert worden war. Beim dritten Außenbordeinsatz wurde der erneuerte Feinsteuerungssensor neu verkabelt, ein S-Band-Tansmitter der Kommunikationsanlage ersetzt und ein neuer digitaler Datenrekorder eingebaut. Zum Schluss wurden Teile der bei der Mission STS-82 behelfsmäßig angebrachten Isolationsschicht-Abdeckungen erneuert. Seit dem 21. Dezember erfolgten mehrere Zündungen der Manövriertriebwerke des Space Shuttle, um die Umlaufbahn der HST wieder anzuheben. Am 25. Dezember wurde das Teleskop wieder im All ausgesetzt. Während der Außenbordeinsätze hielten sich die Astronauten insgesamt 24 Stunden und 33 Minuten im All auf. Die Mission STS-103 endete am 27. Dezember 1999 mit der 13. Nachtlandung des Space Shuttle-Programms und der achten Nachtlandung im Kennedy Space Center. Insgesamt dauerte die Mission STS-103 der "Discovery" 7 Tage, 23 Stunden und 10 Minuten.
Zum Missions-Report STS-103 des Kennedy Space Center

Mission STS-109 SM3B — Die vierte Servicemission zum HST
Crewemblem STS-109
Crewemblem STS-109
Am 1. März 2002 startete das Space Shuttle "Columbia" zur 108. Flug des Programms und zu seinem 27. Einsatz. Es war die letzte erfolgreich beendete Mission des dienstältesten Orbiters der NASA. Knapp ein Jahr später, am 1. Februar 2003, ging die "Columbia" mit ihrer Crew nach zwei Wochen in der Erdumlaufbahn beim Wiedereintritt in die Atmosphäre verloren.
Zum bereits vierten Mal war das Hubble Space Telescope das Ziel der ersten Mission im Jahr 2002. Wie bei den vorangegangenen Service-Missionen hatte die siebenköpfige Crew die Aufgabe, das HST mit neuen technischen Geräten auszustatten und auf eine höhere Umlaufbahn zu bringen. Bereits am zweiten Flugtag wurde das Weltraumteleskop eingefangen und in der Shuttle-Ladebucht verankert. Anschließend wurden die beiden seit 1993 angebrachten Solargeneratoren eingefahren. Während des ersten Außenbordeinsatzes wurde einer davon abmontiert und ersetzt. Im Gegensatz zu den früher verwendeten Solargeneratoren werden die neuen nicht mehr ausgerollt sondern ausgeklappt, sind 20% leistungsfähiger und um etwa ein Drittel kleiner, was auch die Bremswirkung der Restatmosphäre verringert. Dadurch verliert das HST weniger schnell an Höhe als früher. Die neuen Solargeneratoren wurden erstmals nicht von der ESA geliefert, sondern vom Goddard Space Flight Center entwickelt und gebaut. Beim zweiten Außenbordeinsatz wurde dann der zweite Solargenerator sowie ein Schwungrad ausgetauscht. Während des dritten Außenbordeinsatzes wurde die komplexeste und kritischste Arbeit durchgeführt: Wegen der stärkeren Solargeneratoren mußte die alte, noch aus den achtziger Jahren stammende zentrale Strom-Kontrolleinheit gegen eine leistungsfähigere ausgetauscht werden. Dafür mußte das HST zum ersten Mal seit 1990 komplett abgeschaltet werden. Fünf Stunden nach der "Vollnarkose" konnte das Weltraumteleskop problemlos reaktiviert werden, nachdem die 36 vorher gelösten Stromverbindungen korrekt wiederhergestellt waren. Im Zuge des vierten Außenbordeinsatzes wurde die Schwachobjekt-Kamera (FOC) gegen ein neues, fortgeschrittenes Kamerasystem ausgetauscht. Die FOC war das letzte verbliebene wissenschaftliche Instrument der technischen Erstausstattung des HST von 1990. Damit hatte dann auch die COSTAR-Korrekturoptik ausgedient, weil die übrigen Instrumente den optischen Fehler des Primärspiegels selbst ausgleichen konnten (Die COSTAR-Korrekturoptik verblieb aber noch im Teleskop und sollte bei der nächsten Service-Mission gegen ein wissenschaftliches Instrument ausgetauscht werden).
Danach wurde ein Steuergerät für ein neues mechanisches Kühlsystem in das NICMOS-Instrument eingebaut. Durch den unerwartet schnellen Verbrauch des mitgeführten Kühlmittels durch ein "Kälteleck" war dieses Instrument bereits knapp drei Jahre zuvor ausgefallen. Während des fünften und letzten Außenbordeinsatzes wurde das neue Kühlsystem in das NICMOS-Instrument eingebaut und mit dem zuvor installierten Steuergerät verbunden. Am 9. März wurde das Hubble Space Telescope wieder im All ausgesetzt.
Nach 10 Tagen, 22 Stunden und 11 Minuten Missionsdauer setzte das Space Shuttle "Columbia" zum letzten Mal zur Landung auf der Landebahn 33 des Kennedy Space Center auf.
Zum Missions-Report STS-109 des Kennedy Space Center

Mission STS-125 SM4 — Die fünfte Servicemission zum HST
Crewemblem STS-109
Crewemblem STS-125
Am 11. Mai 2009 startete das Space Shuttle "Atlantis" zur 126. Flug des Programms und zu seinem 30. Einsatz. Zum fünften und somit letzten Mal wurde das Hubble Space Telescope angeflogen. Auch bei dieser Service-Mission hatte die siebenköpfige Crew die Aufgabe, das HST mit neuen technischen Geräten auszustatten und wieder auf eine höhere Umlaufbahn zu bringen. Am zweiten Flugtag erfolgte die Untersuchung des Orbiters mit dem Manipulatorarm/OBSS. Diese Prozedur wurde nach dem Verlust des Orbiters "Columbia" 2003 mit Wiederaufnahme des Flugprogramms im Jahr 2005 eingeführt, um die besonders empfindlichen Kacheln des Hitzeschutzschildes auf der ansonsten nicht einsehbaren Shuttle-Unterseite auf Schäden zu kontrollieren. Am dritten Flugtag erfolgte der Anflug und das Einfangen des HST sowie die Verankerung in der Shuttle-Ladebucht. Am 14. Mai wurde während des ersten Außenbordeinsatzes die neue Wide Field Camera 3 eingebaut. Ein Tag später erfolgte die zweite EVA, bei der die sechs Schwungräder zur Lagekontrolle sowie Batterien ausgetauscht wurden. Während des sechsten Missionstages, am 16. Mai, erfolgte eine historisches Zäsur: Nach 15 Betriebsjahren erfolgte der Austausch der COSTAR-Korrekturoptik (s.o. STS-61) gegen den Cosmic Origins Spectrograph (COS). An den beiden nachfolgenden Tagen wurden weitere Austausch- und Reparaturarbeiten durchgeführt. Am neunten Missionstag waren die Arbeiten abgeschlossen und das Telekop wurde wieder ausgesetzt. Am Missionstag 11 wurde die Ausrüstung an Bord verstaut und der Orbiter auf die Landung vorbereitet. Diese verzögerte sich aber um zwei Tage, da in Florida das Wetter dafür zu schlecht war. Weil sich rechtzeitig keine grundlegende Wetterbesserung einstellte, entschloss sich die NASA, die "Atlantis" auf der Landebahn 22 der Edwards Air Force Base in Kalifornien landen zu lassen. Diese erfolgte am 24. Mai nach 12 Tagen, 21 Stunden und 37 Minuten Missionsdauer. Da es sich bei dieser Mission definitiv um die letzte Möglichkeit zur Ertüchtigung des HST handelte, ist es nun auf sich allein gestellt und zukünftig aufkommende technische Probleme können nur noch über die Boden-/Missionskontrolle durchgeführt werden. Irgendwann werden Komponenten und die Instrumente Defekte aufweisen und ihren Dienst quittieren. Und dann wird der Tag kommen, an dem dieses großartige Weltraumteleskop komplett ausfallen und für immer schweigen wird. Bleibt zu hoffen, dass dieser Tag noch in der fernen Zukunft liegt, mit viel Glück vielleicht erst in zehn Jahren. Denn ob das Nachfolge-Instrument, das James Webb Space Telescope, bis dahin fertig gestellt sein wird und seinen Betrieb aufgenommen hat – man verzeihe mir dieses Wortspiel –, steht noch in den Sternen...
Zum Missions-Report STS-125 des Kennedy Space Center

Ausblick — Die unsichere Zukunft des HST (Mission STS-107 und die Folgen)
Das HST; im Hintergrund Wolkenformationen der Erde
Einer unsicheren Zukunft entgegen:
Das HST im Jahr 2009
Nach dem Verlust der "Columbia" am 1. Februar 2003 hat die NASA die Entscheidung über das weitere Schicksal des Hubble Space Telescope aufgeschoben. Nach ursprünglichen Planungen war die nächste Service-Mission des HST für Ende 2004 und eine eventuelle Rückholung des Teleskops aus dem All nach seiner Außerdienststellung 2010 vorgesehen. Eine weitere Service-Mission ist nur mit dem Space Shuttle durchführbar und war damit davon abhängig, wann die NASA den Flugbetrieb wieder aufnehmen und bis wann das Space Transportation System noch eingesetzt werden würde.
Zeitweilig gab es Überlegungen bei der NASA, Space Shuttles nur noch auf der Edwards Air Force Base in Kalifornien landen zu lassen. Im Falle eines Falles würde kaum besiedeltes Gebiet überflogen und die Bevölkerung wäre bei einem weiteren Unfall vor herabfallenden Trümmerstücken weitgehend sicher. Auch sollten neue Starts in Florida aus Sicherheitsgründen nur noch am Tag stattfinden, um bessere Beobachtungsmöglichkeiten des Space Shuttles beim Aufstieg zu gewährleisten. Das wiederum hätte einschneidende Auswirkungen auf die Zahl der noch möglichen Starts gehabt. Beide Überlegungen wurden aber bald darauf wieder verworfen.

Vor der "Columbia"-Katastrophe sollten die Space Shuttles bis 2020 fliegen, kurz danach bis 2015 und seit 2005 nur noch bis 2010. Danach sollten die drei verbliebenen Orbiter "Discovery", "Atlantis" und "Endeavour" eingemottet, zu Museumsexponaten degradiert und durch das Crew Exploration Vehicle (CEV) ersetzt werden.
Im Januar 2004 sagte die NASA eine fünfte Service-Mission des HST ganz ab, weil das Unfallrisiko für zu groß eingeschätzt wurde. Um das Risiko zu verringern, hätte zeitgleich ein zweites Space Shuttle startbereit sein müssen, was aber aus Kostengründen abgelehnt wurde. Zu diesem Zeitpunkt sollten nur noch Missionen geflogen werden, die bei Auftreten von Problemen die Internationale Raumstation (ISS) als "sicheren Weltraumhafen" erreichen konnten. Das Hubble Space Telescope umkreist die Erde aber fast doppelt so hoch wie die ISS und in einer fast nur halb so hohen Bahnneigung (Inklination). Aus physikalischen Gründen ist es dem Space Shuttle unmöglich, von einem Hubble- in ein ISS-Orbit einzuschwenken.
Als Folge dieser Entscheidung des NASA-Administrators Sean O'Keefe sollte das bewährte Aushängeschild der NASA einfach aufgegeben werden. Nach unerwartet heftigen Protesten, nicht nur aus der Wissenschaft sondern auch aus der Politik, sah sich die NASA-Führung damals zu einem Kurswechsel genötigt. Nun wurde erwogen, einen Roboter für eine Service-Mission zum Hubble Space Telescope zu schicken. Ein entsprechendes Gerät wurde seit mehr als zehn Jahren bei der Universität von Maryland entwickelt. Der Start dieser Mission sollte spätestens 2007 erfolgen, denn es zeigten sich bereits die ersten technischen Ausfallserscheinungen: Zuerst stellte ein Schwungrad seinen Dienst ein, kurz darauf fiel das STIS-Instrument aus. Sollte der Einsatz des Roboters nicht möglich sein, wollte die NASA ersatzweise ein einfaches Antriebsmodul zum HST schicken, dass das Weltraumteleskop gezielt zum Absturz auf die Erde bringen sollte.
Auf Druck des US-Kongresses wurde die NASA angewiesen, den unabhängigen Nationalen Forschungsrat (National Research Council, NRC) mit einer Studie zur Zukunft des HST und weiterer Service-Missionen zu beauftragen. Das Ergebnis der Studie lief den NASA-Strategen zuwider: Das NRC rückte von der hohen Risiko-Einschätzung ab und vertrat die Ansicht, dass eine HST-Mission genauso gefährlich sei wie eine der fast 30 ausstehenden ISS-Missionen. Ebenso wurde der Einsatz einer Roboter-Mission sehr skeptisch beurteilt. Die Kosten wurden als viel zu hoch betrachtet und es war bereits abzusehen, dass das Gerät nicht rechtzeitig einsatzbereit sein würde. Mitte Dezember 2004 trat Sean O'Keefe als NASA-Administrator zurück und blieb kommissarisch bis zur Ernennung eines Nachfolgers im Amt (O'Keefe hatte erst 2002 das Amt von Daniel Goldin übernommen). Im Februar 2005 entschied O'Keefe, auch auf Grundlage des NRC-Berichtes, die Roboter-Mission zu verwerfen. Mitte April 2005 bestätigte in einer Anhörung vor dem amerikanischen Kongreß der designierte NASA-Administrator Michael Griffin, eine neue bemannte Service-Mission zum Hubble Space Telescope in Betracht zu ziehen.
Die NASA hatte zu der Zeit drei Optionen, mit dem Problem umzugehen: Zuerst eine bemannte oder auch unbemannte Service-Mission, als zweites den Bau eines "zweiten" Hubble Space Telescope, bestehend aus zum Teil bereits vorhandenen Komponenten oder zum dritten die Entwicklung eines deutlich leistungsfähigeren Nachfolge-Teleskops. Dieses Gerät mit dem Namen "James Webb Space Telescope" befand sich seinerzeit im Planungsstadium und hätte frühestens im Jahre 2011 mit einer ARIANE 5-Rakete in die Erdumlaufbahn gestartet werden können.
Letztendlich entschied sich die NASA, 2009 eine fünfte und letzte Mission zum HST durchzuführen. Um allen Kritikern und Bedenkenträgern entgegenzukommen, entschloss sich die Raumfahrtbehörde zu einer ungewöhnlichen und bis dahin nie vorgekommenen Vorgehensweise: Parallel zur Mission STS-125 der "Atlantis" wurde ein zweites Shuttle, die "Endeavour", auf der Startrampe 39B startbereit gemacht. Dieses Shuttle mit seine nur vierköpfigen Besatzung sollte als "Mission STS-400" quasi als Rettungsboot bereitstehen. Für den Fall, das die "Atlantis" so schwer beschädigt gewesen wäre, dass sie nicht mehr hätte zurückkommen können und hätte aufgegeben werden müssen. Aber dazu ist es ja glücklicherweise nicht mehr gekommen. Stattdessen wurde die "Endeavour" nach der Landung von STS-125 zum LC-39A umgesetzt, von der sie am 15. Juli zur Mission STS-127 zur ISS startete.


Aber wie es mit dem HST weitergehen soll, ist bisher keine beschlossene Sache. Wie auch immer die NASA sich entscheidet, sie muß sich bald entscheiden. Während auf der Erde diskutiert wird, werden in der Erdumlaufbahn Fakten geschaffen. Das Hubble Space Telescope altert weiter und sinkt immer tiefer. Unerbittlich, unaufhörlich. Die Zeit drängt. Nicht, das wieder das gleiche geschieht wie mit der "Skylab"-Raumstation 1979: Als die erfolgversprechenden Optionen hätten gezogen werden können, war "Skylab" längst verglüht und im Ozean versunken. Bleibt zu hoffen, das diesem einzigartigen Meisterstück menschlicher Ingenieurskunst und Instrument wissenschaftlichen Forscherdranges ein solch unrühmliches Ende erspart bleibt.

Godspeed, Hubble Space Telescope!

 

Internet-Links zum Hubble Space Telescope:
http://www.hubblesite.org (HST-Website des STScI)
http://www.spacetelescope.org (HST-Website der ESA)
http://hubble.esa.int (HST-Website der ESA im Bereich Science&Technology)
http://hubble.nasa.gov (HST-Website der NASA)
http://www.stsci.edu/institute/ (Space Telescope Science Institute Website)



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